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Interview mit Frau Prof. Angelika C. Wagner
im
manager magazin online, 21. Dezember 2010:
(auch erschienen in SPIEGEL ONLINE, 17.08.2011)

Managerinnen
"Mentoring ist kein Kaffeekränzchen"
Von Helene Endres

Kaum jemand weiß, wo er im Unternehmen wirklich steht. manager magazin sprach mit der Expertin für externes Mentoring in Deutschland, Professor Angelika Wagner, über die Notwendigkeit von ehrlichem Feedback, woher man es bekommt, und warum Muttis Rat nicht immer der beste ist.

mm: Frau Professor Wagner, Karrierebücher gibt es tonnenweise, und bei schweren Entscheidungen sucht man doch eher Rat bei engen Freunden oder der Familie als bei einem Fremden. Wieso also soll Mentoring ein Schlüssel zur gelungenen Karriere sein?

Wagner: Beim Mentoring geht es ja nicht darum, irgendjemanden zum Kaffeetrinken zu haben. Mentoren sind erfahrene Experten in einem bestimmten beruflichen Bereich. Sie haben - im Gegensatz zu Berufsanfängern - sehr viele komplexe Muster gespeichert über Strukturen und Prozesse, sie wissen, wie Leute taktieren, sie erkennen wiederkehrende Strategien, typische Karrierewege.

mm: Und was bringt das dem Mentee?

Wagner: Erstens müssen die Mentees sich und ihre Situation nicht lange erklären - die Mentoren und Mentorinnen sind ja vom Fach, und der Prozess kann gleich und auf einem hohen Niveau beginnen. Zweitens können Mentoren aufgrund ihrer Erfahrung Mentees rasch einschätzen und deren wesentliche Stärken und Schwächen sehr schnell herausarbeiten. Sie haben in ihrem Leben schon so viel erlebt, dass ihnen kritische Punkte schneller auffallen und sie oft ebenso schnell Lösungen parat haben. Zudem kennen sie als Führungskräfte beide Perspektiven, von oben wie unten. Und drittens: Da die Mentoren, wie wir sie vermitteln, externe sind, also in keinerlei hierarchischem oder betrieblichem Verhältnis zum Mentee stehen, können sie alles offen ansprechen.

mm: Sie meinen, manche Schwächen sehen andere auch, sagen es einem aber nicht.

Wagner: Kann sein. Die Aufgabe eines Mentors ist es, aufzuzeigen, wo der andere steht, ihm ehrliches Feedback zu geben und gleichzeitig den Rücken zu stärken. Zum Beispiel ihm zu sagen, dass er ohne besseres Englisch nicht weiterkommt oder er dringend an seinen Tischmanieren arbeiten sollte. Den Englisch- oder Kniggekurs gibt dann jedoch ein Experte. Und da sind wir wieder bei der Eingangsfrage, was Freunde und Familie angeht: Das wäre denen wohl nicht aufgefallen, und wenn, hätte es der Betroffene vielleicht nicht ernst genommen.

mm: Wann ist der Punkt gekommen, sich einen Mentor zu suchen?

Wagner: Das kann nie früh genug sein. Wir betreuen im Expertinnen-Beratungsnetz in dem Projekt UNICA mit Unterstützung von sechs renommierten Hamburger Unternehmen wie Unilever oder Otto gerade Hochschulabsolventinnen und Doktorandinnen beim Berufseinstieg. Hier beginnt Mentoring quasi vor der eigentlichen Berufskarriere. Denn ist es nicht so, dass schon bei Bewerbungen viele Unsicherheiten auftreten, bei denen man sich denkt: Da müsste ich jetzt mal den Fachmann fragen? Oft halten solche vermeintlich einfachen Fragen die Betroffenen ewig auf, sie drehen sich im Kreis, weil ihnen einfach Informationen fehlen. Oder jemand, der ihre Bedenken mit fachlichen Argumenten widerlegt.

mm: Was ist der größte Fehler, den man als Mentee machen kann?

Wagner: Eine passive Konsumhaltung zu entwickeln. Sich zurückzulehnen und zu denken: So, jetzt präsentier' du mir mal Lösungen, und ich such' mir eine aus. Kommt leider auch vor.

mm: Sie selbst beschäftigen sich seit Jahrzehnten mit Mentoring, gründeten 1989 das Expertinnen-Beratungsnetzwerk an der Universität Hamburg, das erste Mentoringzentrum dieser Art in Deutschland. Wenn Mentoring so toll ist, haben Sie bestimmt auch Studien, die das belegen.

Wagner: Über 80 Prozent der von unseren Expertinnen betreuten Mentees haben sich nach zwei Jahren beruflich verbessert, mehr als 50 Prozent davon sagen, dies ginge auf den Rat der Mentorin zurück. Zudem arbeiten wir ständig an neuen Modellen des Mentoring, zum Beispiel führten wir das Kurzzeitmentoring ein, quasi als Crashkurs bei beruflichen Weichenstellungen oder jetzt das UNICA-Projekt, wo wir bei Studentinnen ansetzen.

mm: Sie haben sich auf Mentoring von Frauen für Frauen spezialisiert. Sind die besonders betreuungsbedürftig?

Wagner: Sie stehen noch öfter vor Fragestellungen als Männer. Einerseits, wenn es um die Planung von Kindern und Karriere geht, andererseits sind Unternehmens- und Aufstiegskulturen immer noch sehr männlich. Hier kann gerade der Rat einer erfahrenen Frau elementar sein - denken Sie an die vielen Muster, die die Expertinnen abgespeichert haben. Manchmal hilft es dem Mentee auch, einfach zu hören: "Ich hab' das damals auch hingekriegt. Halt' durch."

 

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Außerdem:
manager magazin, Ausgabe Januar 2011, S. 108:

Damenwahl
Managerinnen - Eine exklusive Studie zeigt, in welchen Unternehmen Frauen jetzt Karriere machen können - und wo nicht


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Uni Hamburg, http://www.uni-hamburg.de/newsletter/Mentoring-und-berufliche-Beratung-fuer-Frauen-br-20-Jahre-Arbeitsstelle-Expertinnen-Beratungsnetz-Mentoring-an-der-Universitaet-Hamburg.html:

Mentoring und berufliche Beratung für Frauen:
20 Jahre Arbeitsstelle Expertinnen-Beratungsnetz/ Mentoring an der Universität Hamburg


Im Mai 2009 feiert die Arbeitsstelle EXPERTINNEN-BERATUNGSNETZ/MENTORING der Universität Hamburg ihr 20-jähriges Bestehen.
Gegründet wurde die Arbeitsstelle 1989 von der damaligen Vizepräsidentin der Universität, der Erziehungswissenschaftlerin Prof. Angelika C. Wagner, Ph.D., seither unterstützt das Netzwerk äußerst erfolgreich das berufliche Vorankommen von Frauen durch Mentoring und Beratung bei Berufs- und Karrierefragen.

Über 5200 Frauen wurden seit 1989 in intensiven Einzelgesprächen über einen kürzeren oder längeren Zeitraum beraten. An die 100 weibliche Führungskräfte aus der Hamburger Wirtschaft und anderen Berufsbereichen stellen ihre Expertise als Mentorin ehrenamtlich zur Verfügung.

Die Bandbreite der Berufsgruppen und Fragestellungen ist groß. Sowohl fachlich hochqualifizierte Frauen suchen Problemklärung und Unterstützung als auch Frauen, die unter ihrem Ausbildungsniveau arbeiten oder von Arbeitslosigkeit bedroht sind.

Die Rückmeldungen der Mentees und der ratsuchenden Frauen nach Abschluss eines Beratungs- oder Mentoringprozesses zeigen, dass die Gespräche mit den Expertinnen und Mentorinnen vielfach wichtige Hilfestellung leisten: Sie erhalten Denkanstöße und Entscheidungshilfen, konkrete Ratschläge und praktische Hinweise. Die Expertinnen geben Orientierung im Berufsfeld, zeigen Perspektiven auf und ermutigen die Frauen, sich beruflichen Herausforderungen zu stellen.

Mittlerweile hat sich das Modellprojekt EXPERTINNEN-BERATUNGSNETZ/MENTORING zu einem bundesweiten Erfolgsmodell entwickelt, Beratungsnetzwerke wurden inzwischen in Berlin, Köln, Bremen, München und Dresden gegründet.

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Webmagazin life der Fakultät, 08.06.09:

20 Jahre Arbeitsstelle Expertinnen-Beratungsnetz/Mentoring

Berufseinstiegs-Mentoring startete auch 2009 erfolgreich mit über 30 Mentees

Im Mai feiert die Arbeitsstelle Expertinnen-Beratungsnetz/Mentoring der Universität Hamburg ihr 20-jähriges Bestehen. Das seit Jahren erfolgreiche Projekt wurde 1989 von Prof. Angelika C. Wagner, Ph. D. gegründet und hat mehrere Nachahmermodelle in ganz Deutschland gefunden. Über 7700 Frauen haben sich seitdem an die Arbeitsstelle gewandt, über 5200 Frauen wurden in einem längeren oder kürzeren Zeitraum erfolgreich beraten.

Die Bandbreite der Berufsgruppen und Fragestellungen ist sehr groß. Sowohl fachlich hochqualifizierte Frauen suchen Problemklärung und Unterstützung als auch Frauen, die unter ihrem Ausbildungsniveau arbeiten oder von Arbeitslosigkeit bedroht sind.

Die Rückmeldungen der Mentees und der ratsuchenden Frauen nach Abschluss eines Beratungs- oder Mentoringprozesses zeigen, dass die Gespräche mit den Expertinnen und Mentorinnen vielfach wichtige Hilfestellung leisten: Sie erhalten Denkanstöße und Entscheidungshilfen, konkrete Ratschläge und praktische Hinweise. Die Expertinnen und Mentorinnen geben Orientierung im Berufsfeld, zeigen Perspektiven auf und ermutigen die Frauen, sich beruflichen Herausforderungen zu stellen.

Im März hat das Berufseinstiegs-Mentoring 2009 für Studentinnen und Absolventinnen der Fakultät für Erziehungswissenschaft, Psychologie und Bewegungswissenschaft seine Vermittlungsarbeit begonnen. Über 30 Mentees wurden unter den Bewerberinnen ausgewählt. Sie werden zu Fragen ihres beruflichen Einstiegs von fachlich kompetenten Mentorinnen aus der Hamburger Wirtschaft über ein Jahr lang begleitet. Darüber hinaus werden Seminare und Arbeitsgruppen für die Mentees angeboten.

Ein Artikel zur Arbeitsstelle Expertinnen-Beratungsnetz/Mentoring mit weiteren Informationen ist auch im zweiten Newsletter der Universität Hamburg erschienen.

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Abendblatt-Artikel vom 06.06.2009:

"Junge Frauen in Top-Positionen noch selten"

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