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Pressemitteilung vom 8.12.2005

Anlässlich der Feier zur Übergabe des Bundesverdienstkreuzes an das langjährige Mitglied des Expertinnen-Beratungsnetzes /Mentoring der Universität Hamburg, Frau Carola Heldt, durch Herrn Senator Dräger, Ph.D., am 8.12.2005 stellen wir hier und jetzt ein neues Kooperationsprojekt zwischen der Universität Hamburg und der Wirtschaft vor:

Das Berufseinstiegsmentoring für Universitätsabsolventinnen

Für junge Menschen, auch mit guten Examina, ist es heute nicht einfach, einen Einstieg in den Beruf zu finden.

Die Universitäts-Gesellschaft unter der Leitung ihres Vorstandsvorsitzenden, Herrn Dr. Peter Schäfer, und die Arbeitsstelle Expertinnen-Beratungsnetz/Mentoring der Universität Hamburg unter der Leitung von Frau Prof. Angelika C. Wagner, Ph.D., planen ab 2006 ein neues Mentoring-Projekt für Universitätsstudentinnen und junge Hochschulabsolventinnen. Ziel dieses Projekts ist es, die jungen Absolventinnen in der Phase vor und während des Berufseinstiegs durch Mentorinnen aus der Wirtschaft individuell zu begleiten und zu unterstützen. Für diese Aufgabe sollen in den nächsten Monaten in enger Zusammenarbeit mit den Mitgliedern der Universitäts-Gesellschaft erfahrene Praktikerinnen aus der Wirtschaft gewonnen werden, die selber den Berufseinstieg vor etwa 10 bis 15 Jahren erfolgreich gemeistert haben und motiviert sind, ihre Erfahrungen an Jüngere weiterzugeben.

Die Arbeitsstelle Expertinnen-Beratungsnetz/Mentoring wird die Aufgabe der Betreuung der Studierenden und der Mentorinnen übernehmen; dazu gehört insbesondere auch die Vermittlung der interessierten Absolventinnen an die "passende" Mentorin. Interessierte Studierende können sich ab sofort an das Expertinnen-Beratungsnetz wenden; die offizielle Bewerbungsfrist wird am 1. Februar 2006 beginnen.

Die Mentees bestimmen selbst, welche Fragen und Themen sie mit ihrer Mentorin bearbeiten möchten: die mögliche Bandbreite reicht von Problemen mit dem Praktikum über die Bewerbungsphase bis hin zur Berufswahl und ersten Berufspraxis. Den Mentorinnen und den Unternehmen, die dieses Berufseinstiegsmentoring unterstützen, bietet dieses neue Projekt eine neue Form der Kooperation mit der Universität und jungen, hochqualifizierten und motivierten Studierenden.

Prof. Angelika C. Wagner, Ph.D.
29.11.2005

* * *

Hamburger Abendblatt, 9.12.2005:

Bundesverdienstkreuz an die Journalistin Carola Heldt

Über ihr Alter gibt sie keine Auskunft. Nicht, weil sie vielleicht zu eitel ist. Nein, ihr Schweigen hat einen rein journalistischen Grund: "Altersangaben fördern das Denken in Schablonen." Carola Heldt kennt sich in der Branche aus, sie ist eine der führenden Journalistinnen der Nachkriegszeit. Das Bundesverdienstkreuz hat sie gestern allerdings für ihr ehrenamtliches Engagement im Expertinnen-Beratungsnetz der Hamburger Universität und für Hospizprojekte bekommen.
Wissenschaftssenator Jörg Dräger übergab ihr die Ehrung im Turmzimmer des Rathauses und lobte ihr "beachtliches und beeindruckendes Schaffen". Sie sei eine "vorbildliche Journalistin" und habe eine "Bilderbuchkarriere" hinter sich.
Carola Heldt erfand unter dem ersten "Stern"-Chef Henri Nannen das Frauen-Ressort und war später die erste Chefredakteurin der deutschen "Cosmopolitan". Mit der "Stern"-Titelgeschichte "Wir haben abgetrieben" löste sie im Jahr 1974 eine gesellschaftspolitische Debatte zum Paragraphen 218 aus.
Im Anschluß an Drägers Worte gestand sie, daß sie "tief berührt" sei und das Kreuz eigentlich nicht verdient habe. "Ich habe während meiner 15 Jahre langen ehrenamtlichen Arbeit nur Glück gehabt." Sie hat ihr Wissen an Journalistinnen weitergegeben und sie zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie beraten. Als Feministin hat sich die Mutter von einem Sohn und einer Tochter nie gesehen: "Dazu bin ich viel zu selbstbewußt gerne Frau gewesen." diz

* * *

Abendblatt-Interview mit Carola Heldt vom 17.12.2005:

"Wir helfen allen Frauen"
Hamburger Journalistin engagiert sich seit 15 Jahren im Beratungsnetzwerk für Frauen. Dafür erhielt sie jetzt das Bundesverdienstkreuz.
Von Angela Grosse

ABENDBLATT: Frau Heldt, mit dem Expertinnen-Beratungsnetz unterstützen sie seit vielen Jahren junge Frauen beim Start ins Berufsleben und helfen Frauen, die sich im Berufsleben anders orientieren wollen oder müssen. Was ist das Besondere an diesem Angebot?

CAROLA HELDT: Zunächst einmal geben in diesem Netzwerk Expertinnen ihr Wissen an Frauen weiter, die beabsichtigen in der Branche zu arbeiten, in der die Expertin selbst erfolgreich war oder ist. Die Fragende trifft somit auf eine Frau, die die Branche aus eigenem Erleben kennt. Zudem beraten Frauen Frauen anders. Im Gespräch mit uns überlegen junge Frauen eben auch, ob und wie sie Beruf, Karriere und Kinder vereinbaren können. Das zeichnet das Expertinnen-Beratungsnetz gegenüber anderen Beratungsangeboten aus.

ABENDBLATT: Wer kann sich an Sie wenden?

HELDT: An uns kann sich jede Frau wenden, egal welche Berufsausbildung sie hat. Denn im Expertinnen-Beratungsnetz arbeiten ehrenamtlich 60 Frauen, die aus allen Branchen kommen, die Hotels genauso kennen wie Hochschulen, Krankenhäuser wie Verlage, Personalwesen wie Marketing, Unternehmensberatung wie Büromanagement. Wir können also die Sekretärin genauso gut beraten wie die angehende Wissenschaftlerin.

ABENDBLATT: Was erwartet die Ratsuchende, die sich bei Ihnen meldet?

HELDT: Interessierte junge Frauen kontaktieren zuerst die Arbeitsstelle des Beratungsnetzes. Dort wird ihnen ein Fragebogen ausgehändigt, der Basis für ein längeres Gespräch mit der Koordinatorin ist. Diese vermittelt die Ratsuchende an eine Expertin, mit der sie sich zwei- bis dreimal trifft. 220 Euro kostet dieses Angebot. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, einer längerfristigen Beratung. Gegenwärtig bauen wir noch ein weiteres Angebot auf, das sich gezielt an Berufsanfänger wenden wird. Sie sollen zukünftig von Frauen beraten werden, die vor etwa zehn, fünfzehn Jahren ihre Ausbildung oder ihr Studium abgeschlossen haben und jetzt erfolgreich im Berufsleben sind.

ABENDBLATT: Das Expertinnen-Beratungsnetz wurde vor nunmehr sechzehn Jahren von Professor Angelika Wagner gegründet. Wie erfolgreich ist es?

HELDT: In zwei Studien wurde die Arbeit des Netzwerkes unter die Lupe genommen. Das Ergebnis ist: Insgesamt haben 7000 Frauen bei uns angerufen. 4000 davon nahmen konkret unsere Hilfe in Anspruch, die meisten konnten danach ihre berufliche Position verbessern.

ABENDBLATT: Wo sehen Sie den größten Beratungsbedarf?

HELDT: Der Weg von der theoretischen Ausbildung zum praktischen Start ins Berufsleben ist nach unseren Erfahrungen noch immer die größte Hürde. Hier beginnt die Beratung, die manchmal erst nach Jahren aufhört. Denn das Überangebot an Informationen und die schnellen Kündigungen, die heutzutage ausgesprochen werden, machen hilfsbedürftig. Außerdem bieten wir ein neues Mentoring-Programm an, das sich an weibliche Nachwuchsführungskräfte und Frauen richtet, die sich beruflich weiterentwickeln wollen. Etwa ein Jahr lang führt eine Mentorin dann regelmäßig Gespräche mit der Mentee.

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